Zytomegalie Virus

Die Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (engl. abgekürzt: CMV) ist aufgrund der Häufigkeit und Schwere der Schädigung die derzeit bedeutendste Infektion in der Schwangerschaft. Dennoch ist sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt. In Deutschland ist nach unseren Daten jährlich geschätzt jede hunderste Schwangere (das sind etwa 7000 Schwangere im Jahr) von einer gefährlichen primären, d.h. erstmaligen Infektion mit diesem Virus betroffen.

Welche Folgen kann eine Infektion in der Schwangerschaft haben?

Die Erstinfektion mit CMV in der Schwangerschaft kann zu einer Schädigung des ungeborenen Kindes führen. Bei etwa jeder dritten Schwangeren wird das Virus auch auf das werdende Kind übertragen. Jedes zehnte dieser CMV-infizierten Kinder zeigt bei Geburt und häufig auch später Krankheitssymptome. Diese Symptome reichen von geringem Geburtsgewicht, Hautblutungen durch eine zu geringe Blutplättchenzahl, Gelbsucht, Vergrößerung von Leber und Milz, bishin zu Hördefekten, Entzündungen der Netzhaut, Verkalkungen oder Wachstumsstörungen des Gehirns mit der Folge von Krämpfen, geistiger und neurologischer Entwicklungsverzögerung oder auch Behinderung. Vier von hundert CMV-geschädigten Kindern sterben in den ersten Lebenswochen.

Zu beachten ist, dass neuen von zehn CMV-infizierten Neugeborenen bei Geburt keine Symptome zeigen und ihre CMV-Infektion daher häufig nicht erkannt wird. Die Mehrzahl dieser Kinder zeigt auch später keine Symptome, allerdings können bei 10-15 Prozent nach Monaten bis Jahren Spätfolgen auftreten, die meist das Hör- oder Sehvermögen betreffen.
    
Wer ist für eine Infektion gefährdet?
Eine Erstinfektion kann bei allen Schwangeren auftreten, die keine Antikörper gegen das Zytomegalie-Virus besitzen. Dies trifft nach unseren Daten in Deutschland auf etwa 55 Prozent (!) der Frauen im gebährfähigen Alter zu. Die anderen 45 Prozent der Frauen haben - häufig ohne Symptome und daher meist auch ohne es zu wissen - irgendwann eine CMV-Infektion durchgemacht und sind daher durch Antikörper vor einer Erstinfektion mit CMV geschützt. Da das Virus ähnlich wie z. B. das Herpes-simplex-Virus (Erreger der Lippenbläschen) nach der Infektion lebenslang im Körper verbleibt und später wieder aktiv werden kann, gibt es neben der CMV-Erstinfektion in der Schwangerschaft auch sogenannte rekurrierende Infektionen. Dabei handelt es sich entweder um eine Reaktivierung des Körpers schon vorhandenen Virus oder eine Neuinfektion mit einem weiteren CMV-Virusstamm. Bei einer rekurrierenden Infektion der Mutter wird das Risiko für eine Infektion oder Schädigung des Kindes aber als sehr gering angenommen.

Wie infiziert man sich?
Das Zytomegalievirus (CMV) wird nicht wie Röteln oder Masern über Tröpfcheninfektion, sondern über eine sogenannte Schmierinfektion übertragen. Einer Infektion geht meist ein enger und längerfristiger körperlicher Kontakt voraus. Speichel, Urin, Tränen und Genitalsekrete von CMV-infizierten Personen sind generell als ansteckend zu betrachten. Eine Ansteckung ist nicht über die Haut aber über die Schleimhäute von Mund, Nase, Augen und  Genitalbereich möglich. Junge Schwangere infizieren sich meist durch Kontakt mit Speichel oder Genitalsekreten beim Sexualverkehr mit einem CMV-infizierten Partner. Schwangere mittleren Alters stecken sich hauptsächlich über Kontakt mit CMV-haltigem Speichel und Urin von Säuglingen oder Kleinkindern (vor allem bis drei Jahre) an, deren CMV-Infektion aufgrund fehlender Symptome nicht erkannt wird. Kinder unter drei Jahren sind als potentiell infektiös zu betrachten. Daher haben Beschäftigte in Kinderheimen, Tagesstätten/Horten und Kindergärten, die Kinder dieser Altersgruppe betreuen, ein erhöhtes Infektionsrisiko.